Helen McCarthy: Manga! – Der definitive Guide

13.05.2026 08:12 (zuletzt bearbeitet: 13.05.2026 08:12)
#1
avatar

Seit einigen Jahren steigt im Westen das Interesse an fernöstlicher, insbesondere japanischer und koreanischer Popkultur. Einen besonderen Stellenwert nehmen hier japanische Comics, also Manga, ein. Sie haben längst die Jugendzimmer erobert, sich aus den oft zwielichtigen Comic-Shops befreit und verdrängen selbst in Mainstream-Buchhandlungen zunehmend amerikanische und europäische Bildgeschichten. Dabei unterscheiden sich Manga in vielerlei Hinsicht von ihren westlichen Gegenstücken, nicht nur was die Leserichtung angeht: auch vom Zeichenstil, den Themen, der Erzähltechnik, der Grammatik bis hin zum Fandom sind deutliche Unterschiede auszumachen.

Helen McCarthy, die sich seit vielen Jahren mit Manga beschäftigt und bereits mehrere Bücher zu diesem Thema veröffentlicht hat, verspricht mit „Manga! – Der definitive Guide“ eine Einführung in diese, für Ältere etwas rätselhafte Literaturgattung. Ein Versprechen, das der Band aber leider nur teilweise einlöst. McCarthy beginnt mit einem historischen Abriss der Bildgeschichte in Japan, geht dann auf die wichtigsten Genres ein (Manga für Jungen, für Mädchen, sowie die Genres SF, Horror, Erotik und Porno), beschäftigt sich dann mit den typisch japanischen Themen im Manga, um dann auf die Verschränkung von Manga mit anderen Medien und auf das Fanwesen einzugehen. Das liest sich als Überblick einmal sehr gut, leider aber wählt McCarthy einen Zutritt, der sich vorwiegend an den einzelnen Manga-Künstlern (Frauen sind hier deutlich in der Minderheit) orientiert. Sie reiht Kurzbiographie an Kurzbiographie, über 70 sind es, allerdings ohne auf die stilistischen Eigenheiten und Besonderheiten der Künstler einzugehen, was die Lektüre des Buchs etwas monoton macht. Dabei machen die zahlreichen Abbildungen deutlich, dass Manga weit mehr ist als die stereotypen flächig dargestellten Figuren mit übergroßen Augen. Leider geht McCarthy kaum auf die stilistische Vielfalt, die besonderen Erzählmechaniken und Bildgestaltungen der Gattung ein. Erst im letzten Teil, wo es um Medienverschränkungen und das Fandom geht, geht McCarthy mehr in die Tiefe.

In Summe bietet das opulent illustrierte Buch einen Überblick über die wichtigsten Manga-Genres und Künstler, in der Darstellung und Analyse bleibt das Buch leider hinter den Standardwerken von Fuchs/Reitberger („Comics – Anatomie eines Massenmediums“) und Scott McCloud „Comics richtig lesen“) zurück. Was schade ist, denn die abgebildeten Cover und Einzelseiten zeigen die enorme Bandbreite der Gattung.


 Antworten

 Beitrag melden
Bereits Mitglied?
Jetzt anmelden!
Mitglied werden?
Jetzt registrieren!