Carl Graf von Klinckowstroem: Die Zauberkunst.

02.08.2026 05:04
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„Die Zauberkunst“ ist Rückschau und Überblick in einem. Klinckowstroem zeichnet die Rolle der Magier und Zauberer vom Cro-Magnon-Menschen über die Höhlenmalereien Nordspaniens bis zu den Priestern des alten Orients nach, denen bereits bestimmte Tricks und Täuschungen bekannt waren, - Techniken, die sich über die Jahrhunderte erhalten und verfeinert haben und bis in die Gegenwart reichen. Aus Religion und Spiritismus kommend, wandelt sich die Magie im Lauf der Aufklärung allmählich zur weltlichen Unterhaltung, ehe sie im 19. Jahrhundert mit Robert-Houdin endgültig die Bühne erobert und zur eigenständigen Kunstform wird.

Im antiken Griechenland und Rom traten Gaukler und Taschenspieler auf Märkten und bei privaten Festen auf. Becherspiele mit kleinen Kugeln oder Steinchen, Vorläufer des späteren Hütchenspiels, sind auf Wandmalereien in Pompeji dokumentiert. Auch griechische Tempelpriester nutzten mechanische Vorrichtungen, etwa selbstöffnende Türen oder scheinbar von Geisterhand bewegte Statuen, um religiöse Ehrfurcht zu erzeugen. Die Grenze zwischen religiös-rituellen Praktiken und weltlicher Unterhaltungskunst war in der Antike fließend.

Im europäischen Mittelalter überlebte die Zauberkunst vor allem als fahrendes Gewerbe. Gaukler, Possenreißer und Taschenspieler zogen von Dorf zu Dorf und traten auf Märkten wie bei höfischen Festen auf. Ihre Kunststücke, Becherspiele, Kartentricks, kleine Verschwindenummern, waren einfach genug, um im Freien vor größerem Publikum zu funktionieren, enthielten aber bereits Techniken, die später in Salon und auf die Bühne einziehen sollten.

Mit der Renaissance und dem Aufstieg eines gebildeten Bürgertums verändert sich der Rahmen, in dem Zauberkunst stattfindet: Höfische Feste, adlige Salons und später auch bürgerliche Gesellschaften werden zu Aufführungsorten. Handwerklich gefertigte Requisiten, Becher, Münzen, präparierte Kartendecks, erlauben auch feinere, kleinteiligere Effekte.

Im 17. und 18. Jahrhundert entsteht parallel dazu eine Faszination für Automaten und mechanische Wunderwerke. Jacques de Vaucanson (1709-1782) konstruierte 1739 seine berühmte mechanische Ente, die zu fressen und zu verdauen schien. Wolfgang von Kempelen (1734-1804) präsentierte 1770 seinen „Schachtürken“, einen scheinbar selbstständig Schach spielenden Automaten, der in Wahrheit einen verborgenen menschlichen Spieler enthielt. Diese Apparate waren keine Salonmagie im engeren Sinne, verschmolzen aber mit ihr: Die Aufklärung liebte Illusionen, die als „natürliche Magie“, erklärbar durch Physik und Mechanik statt durch Zauberei, präsentiert wurden, und ebnete damit den Weg für eine Zauberkunst, die sich selbstbewusst als Unterhaltungskunst und nicht als übernatürliches Wirken verstand.

Als eigentlicher Vater der modernen Zauberkunst gilt der Franzose Jean-Eugène Robert-Houdin (1805-1871). Der gelernte Uhrmacher eröffnete 1845 in Paris sein „Théatre Robert-Houdin“, in dem er im eleganten Frack, ohne Zauberhut und Zauberstab, vor bürgerlichem Publikum auftrat. Er ersetzte die traditionelle Jahrmarktsästhetik durch die des distinguierten Gentlemans im eigenen Salon, ein Rollenbild, das die Salonmagie bis heute prägt. Robert-Houdin entwickelte zudem mechanische Automaten von hoher Präzision, etwa einen schreibenden und zeichnenden Automaten, und verband so handwerkliches Können mit psychologischer Raffinesse.

Klinckowstroem unterteilt den Text in elf Kapitel, die jeweils einer speziellen Richtung der Zauberkunst zugeordnet werden sowie herausragende Persönlichkeiten der Magiegeschichte vorstellen. Von „Die großen Meister“ über „Kleinzauberei“ und „Kartenkünste“ zu „Geister auf der Zauberbühne“ und „Fakirkünste“. Ein schöner Überblick für alle, die sich gerne verblüffen lassen und denen das Staunen noch nicht abhanden gekommen ist. Das Buch ist nur noch über den Antiquariatsbuchhandel zu beziehen.

Carl Ludwig Friedrich Otto Graf von Klinckowstroem (1884-1969) wandte sich nach dem Studium der Philosophie, Literaturgeschichte und Physik der Geschichte von Physik und Technik zu, über die er zahlreiche Abhandlungen veröffentlichte. Seit Mitte der zwanziger Jahre beschäftigte sich der Privatgelehrte zudem mit Okkultismus und Zauberkunst (Salonmagie) und trat dazu mit Vorträgen und Publikationen hervor. Er besaß eine der umfangreichsten Bibliotheken seiner Zeit zum Thema Zauberei.

Carl Graf von Klinckowstroem:
Die Zauberkunst.
Ernst Heimeran Verlag 1954, 139 Seiten, mit 11 Holzschnitten von Alfred Zacharias und 52 Abbildungen.


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