Rabih Alameddine: Die wirklich wahre Geschichte von Radscha, dem Gutgläubigen (und seiner Mutter)

03.08.2026 10:47 (zuletzt bearbeitet: 03.08.2026 10:57)
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In einer kleinen Wohnung in Beirut lebt Radscha, ein bei seinen Schülerinnen und Schülern beliebter Philosophieprofessor gemeinsam mit seiner Mutter Zalfa. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein. Radscha liebt seine Schützlinge (die er zärtlich-spöttisch „Rotznasen“ nennt), seine Bücher, lange Spaziergänge, Ordnung und Ruhe. Zalfa hingegen ist exzentrisch, lebhaft und sehr an ihren Mitmenschen interessiert. Sie möchte alles wissen, auch über das Sexleben ihres schwulen Sohnes. Und so kommen die beiden immer wieder mal ins streiten, was Radscha natürlich ziemlich auf die Nerven geht. Eine Einladung an ein obskures Forschungsinstitut in den USA könnte für Radscha eine Gelegenheit für eine Auszeit sein, entpuppt sich aber als Nachspiel einer unangenehmen Episode aus Radschas Vergangenheit und veranlasst ihn, sich an die vielen Krisen zu erinnern, die er mit seiner Mutter durchlebt hat. Etwa die Bankenkrise, die, verschärft durch die korrupte Regierung und Verwaltung, weite Teile der Bevölkerung um ihre Ersparnisse gebracht hat. Oder Corona. Der Bürgerkrieg. Und natürlich die riesige Explosion im Beiruter Hafen. Und Radscha erkennt, dass bei allen Streitereien, die er sich mit seiner Mutter und der restlichen Verwandtschaft geliefert hat, das Band der Familie stärker ist als jede Krise.

Eigentlich gibt es, objektiv betrachtet, in Radschas Leben nicht viel zu lachen. Der Libanon ist zutiefst dysfunktional, Krise reiht sich an Krise, das Leben ist eine ständige Improvisation. Radscha und seine Mutter haben zwei sehr unterschiedliche Wege gefunden, um damit umzugehen: er reagiert stoisch und gleichmütig, Zalfa ist aufbrausend und ständig auf 180. Daraus resultiert in diesem zutiefst humanistischen Buch, das 2025 mit dem National Book Award ausgezeichnet wurde, eine alles, sogar die tragischsten Situationen, durchdringende Komik, die nie spöttisch ist oder die Protagonisten verrät, sondern die Absurditäten eines Lebens im ständigen Ausnahmezustand relativiert. Alameddine gelingt das Kunststück, selbst einer Entführung komische und berührende Facetten abzugewinnen, man tänzelt geradezu mit ihm durch Radschas chaotisches Leben (der doch eigentlich nur seine Ruhe haben will). Ein schönes Buch über Liebe, Familie, menschliche Nähe und Verbundenheit.


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